• Elias

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung


Sie sind hier. Meist leise und unscheinbar treten sie auf. Vielfach werden sie übersehen. Sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt und zeigen einmal mehr auf, wo die Schweiz noch zu arbeiten hat.


03. Dezember: INTERNATIONALER TAG DER MENSCHEN MIT BEHINDERUNG


Seit bald 30 Jahren gibt es diesen internationalen Tag, der alle Nationen und Behindertenorganisationen dazu aufrufen soll, sich stärker für Menschen mit Behinderung einzusetzen.


Aber wann sprechen wir überhaupt von einer Behinderung?


Das Schweizer Bundesgesetz definiert Behinderung als eine „voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung, sowie Sinnesbehinderung“.

Diese Beeinträchtigungen erschweren oder verunmöglichen es:

· Alltägliche Tätigkeiten auszuführen

· Soziale Kontakte zu pflegen

· Sich fortzubewegen

· Eine Aus- und Weiterbildung zu absolvieren

· Einer Arbeit nachzugehen.


Eine Behinderung ist dann dauerhaft, wenn sie länger als 6 Monate vorhanden ist.


1,5 Millionen Menschen


Das Bundesamt für Statistik schätzt, dass zurzeit, ungefähr ein fünftel der Schweizer Bevölkerung, also mehr als 1,5 Millionen Menschen, von einer Behinderung betroffen sind.


Wie sieht es denn mit der Gleichberechtigung aus?


Leider sind Menschen mit Behinderung nicht in allen Bereichen gleichgestellt. Im 2004 trat zwar das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft, doch ist dies nicht völlig umfassend.

Seither sind zwar zum Beispiel alle Wohngebäude, die über acht Wohneinheiten hinaus gehen dem Gesetz unterstellt, jedoch keine Mehrfamilienhäuser unter acht Einheiten.


Wie die Fragile Suisse schreibt wurde in Genf am 29. November 2020 darüber abgestimmt, dass alle Menschen mit Behinderung ebenfalls abstimmen und wählen können. Als erster und einziger Kanton, ist Genf ein Schritt weiter gegangen. In allen übrigen Kantonen dürfen Menschen unter Beistandschaft nicht stimmen und wählen.


Auch das Thema „öffentlicher Verkehr“ wird immer wieder in den Medien publik. Gerade die neuen „Dosto-Züge“ verstossen mit 15 Punkte gegen das Behindertengleichstellungsgesetz. Das darf im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr sein.


Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie unzuverlässig der SBB Hilfsservice sein kann. So fuhr ich mit einer Freundin mit Rollstuhl von Buchs nach Zürich über Sargans. Trotz deutlicher Ankündigung, über 24 Stunden zuvor, stand zur abgemachten Zeit, kein Service zur Verfügung. Erst nachdem der Zug aufgehalten wurde und ich überdeutlich meine Meinung Kund tat, wurde meiner Freundin geholfen und wir konnten doch nach Zürich fahren.

Queer mit Beeinträchtigung


Der soziale Kontakt für Menschen mit Behinderung ist generell sehr schwierig. Was aber, wenn dieser Mensch queerer Hintergrund hat? Menschen mit Behinderung sind oft von der schlechten Akzeptanz der Gesellschlaft psychisch sehr angeschlagen. So ist es sehr schwierig sich selbst zu sein oder für sich einzustehen. Viele sind von ihren Eltern abhängig, was ein Coming Out noch schwieriger macht, aus Angst verstossen zu werden. Ja auch noch im Jahr 2021.


Gemeinsam mit einem betroffenen Menschen habe ich über das Thema gesprochen.

Sie ist seit ihrer Geburt im Rollstuhl und ist zurzeit in einer Ausbildung zur Behindertenbegleiterin. Etwas, was für Menschen mit Behinderung nicht selbstverständlich ist.


Ist es schwierig als Mensch mit Behinderung einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen?


Ja leider. Im ersten Arbeitsmarkt gibt es einfach nicht genügend Zeit für Menschen mit Behinderung. Ihnen alles genau zu erklären, oft auch etwas zu wiederholen, dafür reicht die Zeit nicht.



Du hast es geschafft. Du bist an einer Ausbildung dran und kannst danach arbeiten. Was sind deiner Meinung nach, die grössten Hürden für Menschen mit Behinderung?


Ich finde persönlich einen Platz in der Gesellschaft zu finden sehr schwierig. Der grösste Teil von uns, schafft es nicht in den ersten Arbeitsmarkt und wird automatisch als Mensch zweiter Klasse angesehen.


Wo muss unsere Gesellschaft noch etwas tun, damit Menschen mit Behinderung auch in der Mitte der Gesellschaft ankommen?


Vieles. Wir brauchen Möglichkeiten eine Ausbildung zu machen. Für eine Inklusion in die Gesellschaft, braucht es jede Menge Aufklärungsarbeit. Gerade die SBB muss noch stark an sich arbeiten, damit sie dem Behindertengleichstellungsgesetz entsprechen.


Im Job ist deine sexuelle Orientierung irrelevant. Wie gehst du aber als Mensch mit Beeinträchtigung damit um? Wie wirst du wahrgenommen?


Menschen, die mich nicht kennen, nehmen mich meist als asexuelles Wesen wahr. Sobald ein Mensch im Rollstuhl sitzt, glauben viele, dass solche Menschen gar keinen Sex wollen. Das ist aber nicht so. Das stimmt bei weitem nicht. Wenn mir jemand so begegnet versuche ich das nicht ernst zu nehmen. Es spielt keine Rolle was andere, fremde Menschen von mir denken. Aber es ist nicht einfach, solche Kommentare immer auf der sachlichen Ebene annehmen zu können. Natürlich tut es weh.


Was wünscht du dir von deiner Gesellschaft?


Mehr Akzeptanz. Ich möchte nicht verurteilt werden. Ich möchte einfach Menschen um mich haben, die mich sehen und die mich annehmen wie ich bin.


Das wünschen wir allen Menschen dieser Welt.



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