Konzept: Offene Kinder- & Jugendarbeit mit Schwerpunkt LGBTIAQ+

Gender- & sexuelle Identität, geschlechtliches Erscheinungsbild, biologische Geschlechtlichkeit & sexueller Orientierung, gendersensibel.

des sozialwerk.LGBT+ Version 2 Stand: 6. Mai 2021



Preamble

Dies Konzept ist ein lebendiges Dokument. Daher wird es ständig aktualisiert. Dennoch können Ab-weichungen zwischen Konzept und Praxis möglich sein. Abweichungen in der Praxis sind immer wie-der auf Notwendigkeit zu prüfen und wenn eine Notwendigkeit besteht, muss dies Konzept daran an-gepasst werden! Diesem Dokument geht das Grundlagenpapier zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit[1] des DOJ (Dachverband der offenen Kinder und Jugendarbeit Schweiz) voran. Daher hält sich der Aufbau dieses Konzepts ebenfalls an das Grundlagenpapier des DOJ.

Inhaltsverzeichnis

Preamble Inhaltsverzeichnis Begriffserklärungen 1. Ausgangssituation 2. Ziele 3. Zielgruppen 4. Tätigkeitsbereiche 5. LGBTIAQ+ Jugendangebote 6. Angebote für andere Zielgruppen 7. Rahmenbedingungen 8. Qualität & Evaluation


Begriffserklärungen

Kinder

sind junge Menschen unter 13 Jahren.

Jugendliche

sind junge Menschen ab 13 Jahren bis 27 Jahren. Ab 18 Jahren sind Jugendliche zwar rechtlich Erwachsene, oft ist die Phase des Erwachsenwerdens aber nicht abgeschlossen. Daher brauchen junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren ebenfalls Angebote, in denen sie zu vollwertigen, entscheidungsfähigen und unabhängigen Individuen heranreifen können.


Genderidentität

Die Genderidentität ist Teil des Selbsterlebens eines Menschen und damit Teil seiner Identität, in die auch andere Rollen, mit denen sich eine Person identifiziert, eingehen. Damit drückt sie sich „auch im Geschlechtsrollenverhalten aus, also in all dem, was jemand tut oder lässt, um zu zeigen, dass er sich als Mann, als Frau, oder ‚irgendwie dazwischen‘ empfindet.“ Die Geschlechtsidentität ist eine „evolutionär sehr junge, spezifisch menschliche, hochkomplexe Eigenschaft


biologischer Geschlechtlichkeit

Bei der Geburt wird uns ein Geschlecht zu geschrieben. Dieses Geschlechtwird oftmals nur anhand der äusserlichen Geschlechtsmerkmale festgelegt oder wird auf die Geschlechtschromosomen zurückgeführt.


geschlechtliches Erscheinungsbild

Das geschlechtliche Erscheinungsbild ist unabhängig von der biologischen Geschlechtlichkeit und der Genderidentität. Sie ist abhängig von davon wie andere Menschen das Erscheinungsbild wahrnehmen: z.B. Personen, welche einen Bart tragen, Hosen anhaben und ihre Harre kurztragen, können schnell als männlich kategorisiert werden, müssen sich aber selber nicht als männlich empfinden und müssen keinen Penis und Hoden haben.


sexuelle Identität

Die eigene sexuelle Identität wird nur vom Individuum selbst formuliert. Da-bei kann das Verhalten von der Identität abweichen: z.B. definieren sich viel Männer, welche gelegentlich Sex mit Männern haben als heterosexuell - für sie kommt nur eine Partnerschaft mit einer Frau in Frage.


sexuelle Orientierung

ist die Orientierung, welche den Ausschlag gibt, zu was für Menschen wir uns hingezogen fühlen. Eine Frau, die sich sexuell ausschliesslich zu Frauen hingezogen fühlt, hat vermutlich eine homosexuelle Orientierung. Ein Mann, der sich sexuell ausschliesslich zu Frauen hingezogen fühlt, hat vermutlich eine heterosexuelle Orientierung. Es ist zu beachten, dass die Übergänge zwischen den sexuellen Orientierungen sehr fliessend sind, die sexuelle Orientierung nur vom Individuum selber benannt werden kann und sich auch mit der Zeit verändern kann.


LGBT, LGBTIAQ, LGBTIA-Queer

Hierbei handelt es sich um ein Kürzel. L steht für Lesbe oder lesbisch, Gsteht für Gay, Schwuler bzw. schwul, B steht für bisexuelle Menschen, T steht für Transgender oder trans, I steht für Intergeschlechtlich oder inter, Q steht für queer oder questioning. Queer ist ein Sammelbegriff für Homo-, Bi- und Pansexuell, Asexuell, Intergeschlechtlich und Transgender. Queer ist als Sammelbegriff aber nicht abschliessend. Questioning bedeutet so viel wie – ich weiss es noch nicht oder wieso spielt mein Geschlechtsidentität oder meine sexuelle Identität eine Rolle. Im Deutschsprachigen Raum sind auch noch weitere, ähnliche Abkürzungen bekannt wie LSBT. Hier steht das S wieder für schwul oder Schwuler. Ebenfalls wird oft in diese Abkürzungen noch das A für asexuell oder amourös.


* (Sternchen), + (Pluszeichen), : (Doppelpunkt) oder _ (Unterstrich)

Das Gendersternchen, Genderplus, Genderdoppelpunkt oder der Gendergap wollen die Vielfallt von Gendern, Geschlecht und Identität umfassen. z.B. mit Gäst*innen sollen nicht nur männliche und weibliche Personen angesprochen werden, sondern auch Personen, die zwischen diesen Ge-schlechtern oder befinden. Steht das Sternchen oder das Plus am Ende von LGBT / LGBTIAQ etc. wird damit zum Ausdruck gebracht, dass diese Abkürzung nicht alle Möglichkeiten beinhalten und somit für noch mehr stehen kann.


heteronormativ

bedeutet, dass die Menschen in der Lebenswelt der Jugendlichen meistens heterosexuell sind. Es ist auch ein Hinweis auf das Fehlen von alternativen Rollenbildern & Vorbildern.


queernormativ

Ein queernormativer Raum ist ein Ort an dem queersein zur Norm gehört und nicht erklärt oder begründet werden muss.


zweigeschlechtlich oder binärgeschlechtlich

bedeutet, dass in unserer Welt fast alles auf die Geschlechter Frau (weiblich) und Mann (männlich) ausgelegt ist. Dahingegen geht das sozialwerk.LGBT+ davon aus, dass es noch mehr Geschlechter dazwischen und darüber hinaus gibt (Transgender, Intergeschlechtliche, Non-Binäre, etc.).


Cis oder Cis-Frau / Cis-Mann

Die Vorsilbe «Cis» bedeutet, dass bei dieser Person die Geschlechtsmerk-male mit der Geschlechteridentität übereinstimmen: z.B. eine Frau, die mit dem weiblichen Geschlecht geboren wurde und deren Geschlechtsidentität ebenfalls weiblich ist, ist eine Cis-Frau.


Beratung

In der Sozialen Arbeit ist Beratung ein sehr stark umrissener Begriff. Zu Be-ratung gehört ein spezielles Setting, welches sich in der offenen Kinder- & Jugendarbeit kaum oder selten verwirklichen lässt. Dennoch finden in der Kinder- & Jugendarbeit Gespräche statt, die inhaltlich einer Beratung sehr nahekommen.


Niederschwelligkeit

Fachbegriff der Sozialen Arbeit. Verkürzt erklärt bedeutet Niederschwellig-keit, so wenig Hürden wie möglich – so niedrig wie möglich. Niederschwellig ist das Gegenteil von hochschwellig. Ein Beispiel: der Polizist, der auf der Strasse patrouilliert ist, einfacher für die Passanten anzusprechen (nieder-schwelliger) als der Polizeiposten, dessen Adresse die Passanten noch nachschlagen müssen und danach aufsuchen. In der sozialen Arbeit ist es Ziel, Angebote so niederschwellig wie möglich zu gestalten.


Prävention

Prävention bedeutet jemanden vor etwas beschützen. In den letzten Jahren ist Prävention jedoch zum Schlagwort für viele Angebote geworden. Wir verwenden bewusst den Präventionsbegriff nicht, denn wir gehen davon aus, dass auch ohne Prävention Menschen vernünftige Entscheidungen treffen können. Wir beugen nicht vor, sondern wir bilden, informieren und besprechen. Dies wirkt auch präventiv und ist oft ein Teil von Prävention – geht jedoch mit einer positiveren Grundhaltung der Entwicklung von Menschen einher.


1. Ausgangssituation

1.1 Auslegeordnung

Die Schweiz hat seit 1997 die UN-Kinderrechtskonvention (Übereinkunft über die Rechte des Kindes) unterzeichnet. Die Kinderrechtskonvention verpflichtet die unterzeichnenden Staaten, die Rechte von Kindern (und Jugendlichen) zu schützen. Diese Rechte beziehen sich ausdrücklich auf Freiheit der eigenen Identität, Schutz vor Diskriminierung, Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit, den Schutz vor Gewalt und Misshandlung, soziale Sicherheit, Bildung, Schutz von Minderheiten und Schutz vor sexuellen Missbrauch.[2] LGBTIAQ-Kindern und -Jugendlichen stehen diese Rechte ge-nauso zu wie allen anderen Kindern- und Jugendlichen in der Schweiz[3] [4]. In der gesamten Schweiz sind Jugendangebote für queere Jugendliche kaum verbreitet. Dabei gibt es immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene, die für sich selber Angebote kreieren. So gibt es zum Beispiel die Milchjugend (queere Jugendorganisation). Jedoch ist kein Angebot professionalisiert oder wird von Profis begleitet. Somit sind die Jugendangebote auch sehr abhängig von den Personen, welche sich engagieren. Die Ausnahme bildet lediglich «Du bist Du», eine LGBTIAQ-Peer-to-Peer Be-ratungsstelle für Jugendliche in Zürich (Angebot der SeGZ – Sexuelle Gesundheit Zürich). Das sozialwerk.LGBT+ möchte diesen Umstand ändern und will das LGBTIAG+ Jugendangebote sich flächendeckend verbreiten und von ausgebildeten Fachpersonen begleitet werden.


1.2 Warum bedarf es Jugendangebote für LGBTIAQ+ Jugendliche?

Heute aufwachsende Jugendliche leben in einer heteronormativen, zweigeschlechtlichen Welt. Be-ziehung und Vorbilder sind heterosexuell gefärbt und für LGBTIAQ+ Jugendliche fehlt es somit an Rollenvorbildern. Dies führt dazu, das LGBTIAQ+ Jugendliche ein gesteigertes Suizidrisiko haben - drei bis sechs Mal höher als bei heterosexuellen Cis-Jugendlichen. Ferner fehlen LGBTIAQ+ Jugendlichen in unserer Gesellschaft Erprobungsräume wie z.B. Schulen und Vereine etc. wo sie z.B. flirten lernen und erproben, Rollen ausprobieren oder Jugendliche mit der gleichen sexuellen Orientierung kennen lernen können. Stellen sie sich mal vor, als Jugendliche*r eine Person des gleichen Geschlechts anzusprechen. «Hey, willst du mit mir gehen?» Was glauben sie, passiert dann?


2. Ziele

Die offene Kinder- & Jugendarbeit mit LGBTIAQ+ Schwerpunkt des sozialwerk.LGBT+ möchte:

  • LGBTIAQ+ Jugendlichen eine Anlaufstelle zu LGBTIAQ+ Themen und Jugendthemen bieten

  • LGBTIAQ+ Jugendlichen Räumlichkeiten und Angebote mit LGBTIAQ+ Jugendthemen ermöglichen

  • Jugendliche dabei unterstützen, zu selbstständigen, verantwortungsbewussten Erwachsenen zu werden

  • Toleranz und Akzeptanz von Unterschieden fördern, Diskriminierung und Ausgrenzung redu-zieren und verhindern

3. Zielgruppen

3.1 Jugendliche & junge Erwachsene

Die offene Kinder- & Jugendarbeit mit LGBTIAQ+ Schwerpunkt des sozialwerk.LGBT+ richtet sich an alle Jugendlichen & jungen Erwachsenen im Alter von 13 bis 27 Jahren (egal ob LGBTIAQ+ oder Cis und hetero). Im weiteren Verlauf dieses Konzepts umfasst der Begriff Jugendliche somit Personen von 13 bis 27 Jahren.


3.2 Bezugspersonen

Bezugspersonen (Eltern, Verwandte, Lehrpersonen, etc.) von Kindern und Jugendlichen mit Fragen zu LGBTIAQ-Themen, Erziehung und Identitätsbildung.


3.3 Fachpersonen

Fachpersonen (in allen Bereichen) mit Fragen zu LGBTIAQ+ und LGBTIAQ+ Jugendthemen.


4. Tätigkeitsbereiche

Folgende Tätigkeitsbereiche wurden ausgearbeitet:

  • Vernetzung

  • Jugendraum: treff.LGBT+

  • Soziale Medien

  • Weitere Offene Kinder- & Jugendangebote (Treffs, Projekte, etc.)

  • Bildung

4.1 Vernetzung

Unsere Jugendarbeitenden verstehen sich als Drehscheibe zwischen den verschiedenen Angeboten der LGBTIA-Queer Szene, der (heteronormativen, zweigeschlechtlichen) Kinder- & Jugendarbeit, dem Gesundheitswesen und der Gesellschaft allgemein. Sie sind lokal, regional und national vernetzt. Unsere Jugendarbeitenden pflegen den Austausch zu kantonalen und interkantonalen Partner*innen (Netzwerken der Jugendarbeit, Fachstellen, Bildungsinstitutionen, LGBTIAQ+ Szene etc.).


4.2 Jugendraum: treff.LGBT+

Unter dem Namen treff.LGBT+ unterhält das sozialwerk.LGBT+ einen Jugendraum in dem sich Schwerpunktmässig Kinder- und Jugendliche zu LGBTIAQ+ Themen aufhalten, informieren und treffe können.


4.3 Soziale Medien

Unsere Jugendarbeit ist in Sozialen Medien präsent. Sie gestaltet Inhalte wie z.B. Videos, initiiert Dis-kussionen und macht auf Themen von LGBTIAQ+ Jugendlichen aufmerksam. Sie unterstützt LGBTIAQ+ Jugendliche in den Sozialen Medien, Informationen zu bewerten und engagiert sich gegen Hetze, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeder Art.


4.4 Weitere Offene Kinder- & Jugendangebote

Unsere Jugendarbeitenden unterstützen Kinder- und Jugendliche bei selbstorganisierten Treffen und Angeboten. Die Unterstützung kann verschieden Formen haben. Von Begleitung bei der Organisation von LGBTIAQ+ Jugendgruppen bis hin zur Durchführung, Unterstützung bei der Administration oder Finanzierung ist alles möglich. In Chur (Graubünden) begleiten unsere Jugendarbeitenden z.B. die LGBTIAQ+ Jugendgruppe Whatever und sind sogar bei den offenen Treffs anwesend. Dabei verstehen sie sich als Begleiter*innen der Jugendlichen und setzen auf den Aufbau von vertrauensvollen, tragfähigen Be-ziehungen, damit die Jugendlichen sich zu verantwortungsvollen und selbstständigen Erwachsenen entwickeln.


4.5 Bildung

Bildung findet nicht nur in der Schule statt. Überall, wo wir etwas lernen, wird uns Bildung vermittelt. Bildung und Wissen verringern Diskriminierung, Ausgrenzung und kann uns vor psychischen und körperlichen Erkrankungen schützen. Unsere Jugendarbeit verfolgt ebenfalls diesen Bildungsansatz. Durch den Austausch mit anderen Jugendarbeitsstellen vermitteln wir, was LGBTIAQ+ Jugendliche in ihrem heteronormativen, zweigeschlechtlichen Jugendtreff brauchen, um sich wohler zu fühlen. Wir initiieren Projekte mit Partner*innen in der Jugendarbeit und verteilen Informationsmaterial zu LGBTIAQ+ relevanten Jugendthemen. In der direkten Arbeit mit Jugendlichen bilden wir in Bereichen der Sexualität, Geschlechteridentität, Gesundheit, Recht, Demokratie und Gendergerechtigkeit.

Wir bilden auch Eltern, Erziehungsberechtigte, Angehörige und Fachpersonen zu Jugendthemen und LGBTIAQ+ Jugendthemen, unterstützen und begleiten sie in Belangen der Erziehung.


5. LGBTIAQ+ Jugendangebote

5.1 Information

Unsere Jugendarbeitenden haben den Auftrag, auf den unterschiedlichen Sozialen Medienplatt-formen unterwegs zu sein und Informationen zu LGBTIA-Queer Angeboten zu verteilen. Eben-falls soll die LGBTIA-Queerjugendarbeit Diskussionen zu LGBTIA-Queerjugendthemen verfolgen und anstossen. Es werden auch alle Kampagnen des Öffentlichkeitsarbeitsteams des sozialwerk.LGBT+ geteilt.


5.2 Jugendraum / Jugendtreff in Chur

Der treff.LGBT+ ist der erste queernormative Jugendraum der Schweiz, für welchen das sozialwerk.LGBT+ extra unter der Adresse Goldgasse 4, 7000 Chur Räume angemietet hat. Diese Räume stehen der Jugendarbeit mit LGBTIAQ+ Schwerpunkt zur Verfügung und sollen von ihr gestaltet und vereinnahmt werden. Alle anderen Angebote des sozialwerk.LGBT+ müssen auf diesen Umstand Rücksicht nehmen. Dennoch steht der Jugendraum auch ihnen zur Verfügung.


Mit unserem treff.LGBT+ schaffen wir einen sicheren Raum für junge Queers und deren Freund*in-nen. Unsere Angebote richten sich an junge Menschen zwischen 13 und 27 Jahren, die aus der he-teronormativen, zweigeschlechtlichen Welt ausbrechen wollen. Unser Jugendtreff dient als Informa-tionsquelle, Treffpunkt zum Kontakteknüpfen und als Experimentierraum für Rollen in der Gesell-schaft.


5.3 Soziale Medien

Diesem Bereich geht der Leitfaden des DOJ, Digitale Medien in der OKJA voran.[5] Die Jugendarbeit des sozialwerk.LGBT+ setzt dabei auf eigene Soziale Medien Accounts, welche nicht von der Öffent-lichkeitsarbeit des sozialwerk.LGBT+ genutzt werden.


5.3.1 Austauschangebot

Soziale Medien verstehen sich oft als Austauschplattformen. Und genau diesen Austausch in der Ge-sellschaft aber auch unter LGBTIAQ-Menschen und -jugendlichen fördert die Jugendarbeit, in dem sie sich in bekannte LGBTIA-Queer Sozial Mediagruppen und - Plattformen einbringt. Dabei muss sie im-mer als Jugendarbeit vom sozialwerk.LGBT+ erkennbar sein.


5.3.2 Chat-«Beratung»

Niederschwelliger Kontakt ist uns wichtig. Daher bieten wir in verschiedenen Sozialen Medien die Möglichkeit, sich mit der Jugendarbeit im 1:1 Setting auszutauschen. Diese «Beratungen» werden wie alle Settings immer wieder im Team reflektiert.[6]


5.4 Unterstützungsleistungen für LGBTIAQ+ Jugendangebote

Unsere Jugendarbeiter*innen suchen aktiv den Kontakt und Austausch zu bestehenden LGBTIA-Queerjugendangeboten, Jugendarbeitsstellen und Fachstellen im Gesundheits- und Gemeindewesen. Wir unterstützen aktiv LGBTIA-Queerjugendangebote, auch wenn diese noch nicht klar strukturiert oder bewusst geplant sind bzw. der Unterstützungsbedarf detailliert definiert ist. Nur wenn die LGBTIA-Queerjugendangebote der Unterstützung einwilligen, analysieren unsere Jugendarbeitenden den konkreten Bedarf und versuchen, mit den LGBTIA-Queerjugendangeboten zusammen Lösungen zu erarbeiten. Unterstützungsleistungen sind dabei nicht ans Label sozialwerk.LGBT+ gekoppelt!


5.5 Jugendgruppe whatever

Unser Jugendgruppenangebot whatever wird von den Jugendlichen der Gruppe selbstständig orga-nisiert. Die Jugendarbeit stellt nur die Rahmenbedingungen zur Verfügung. Die Jugendarbeitenden coachen lediglich die Treffleitung und versuchen, dieser zuzuarbeiten. Die Jugendgruppe ist ein selbstorganisiertes Freizeitprogramm für LGBTIA-Queerjugendliche und deren Freund*innen.


6. Angebote für andere Zielgruppen

6.1 Angebote für Erziehungsberechtigte, Eltern & Angehörige

Unsere Jugendarbeitenden bilden, beraten und unterstützen Erziehungsberechtigte, Eltern & An-gehörige im Sinne einer positiven, gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.


6.2 Angebote für Fachpersonen

Unsere Jugendarbeit bietet verschiedene Bildungs-, Informations- und Beratungsangebote für Jugendarbeitende oder andere Fachpersonen. Hier arbeitet sozialwerk.LGBT+ mit Vernetzung-spartnern (z.B. Gesundheitsamt Graubünden) zusammen.


7. Rahmenbedingungen

Allgemein benötigt die LGBTIA-Queerjugendarbeit Fachpersonen, welche bereit sind, sich für LGBTIA-Queerjugendliche und -kinder zu engagieren.


7.1 Finanzielle Aufwendungen

Das Projekt Jugendarbeit mit LGBTIAQ+ Schwerpunkt hat für die Dauer von drei Jahren eine Kosten-gutsprache von bis zu 60’000 CHF für die Anmietung von Räumlichkeiten durch Björn & Holger Niggemann erhalten. Aus Vereinsmitteln sind ferner zwei Jugendarbeiter*innen mit Total 30 Stellen-prozenten engagiert (Jahreswert 35'000 CHF). Ebenso werden kosten für Projektarbeiten (Material-kosten, Telefonkosten, etc.) auftreten. Der Verein sozialwerk.LGBT+ bemüht sich um weitere finan-zielle Leistungen für die oben genannten inhaltlichen Angebote. Ziel ist es, die Räumlichkeiten und ein Pensum von mindestens 80 Stellenprozent Jugendarbeit/Sozialarbeit auf Dauer finanzieren zu können.


7.2 Jugendarbeitende

Aktuell finanziert das sozialwerk.LGBT+ über Spenden zwei Jugend-/Sozialarbeitende mit Total 30 Stellenprozenten. Darüber hinaus findet ein sehr starkes ehrenamtliches Engagement von Menschen aus dem sozialwerk.LGBT+ im Projekt statt. Darunter wiederrum Profis aus Jugendarbeit, Sozialer Arbeit, Psychologie und Sexualpädagogik. Allen Profis kommt eine besondere Aufgabe zu: Sie sind für das Coaching und die Weiterbildung unserer ehrenamtlichen Laien mit verantwortlich. Daher schafft das sozialwerk.LGBT+ passende Austauschgefässe (siehe dazu Kapitel 8. Qualität & Evaluation).


8. Qualität & Evaluation

Zur Qualitätssicherung und Evaluation nutzt die Jugendarbeit des sozialwerk.LGBT+ das vom Dach-verband offene Kinder- und Jugendarbeit DOJ herausgegebene Quali-Tool (www.quali-tool.ch).


8.1 Qualitätssicherung

Alle Mitarbeitenden in der Jugendarbeit und der Vorstand des sozialwerk.LGBT+ sind mit diesem Kon-zept vertraut und sind bestrebt um dessen Einhaltung und ständige Verbesserung. Wo dies Konzept in der praktischen Arbeit stossend ist, werden von der Jugendarbeit Verbesserungen ausgearbeitet.


Die Jugendarbeit des sozialwerk.LGBT+ besitzt eine offene und gelebte Fehlerkultur. Fehler sind menschlich und können passieren. Es muss jedoch offen über Fehler gesprochen werden, damit alle daraus lernen. Ausserdem sind Fehler schnellstmöglich zu korrigieren. Dazu nutzen unsere Jugendarbeitenden Intervision, Teambesprechungen und kollegiale Beratung.

Lebenslanges Lernen ist für die Jugendarbeitenden des sozialwerk.LGBT+ eine Selbstverständlich-keit. Sie bilden sich daher ständig fort (Selbststudium, interne & externe Fortbildungen, Fachgruppen, Fachtagungen, Weiterbildungen etc.). Das sozialwerk.LGBT+ unterstützt sie dabei.


Selbst- & Fremdwahrnehmung, Nähe & Distanz sind in der Jugendarbeit und sozialen Arbeit ein stän-diges Thema. Unsere Jugendarbeitenden werden zu diesen Bereichen immer wieder geschult und un-terrichtet. Dabei gilt wie eingangs erwähnt, eine offene Fehler- und stetige Verbesserungskultur.


8.2 Evaluation der Arbeit

Die Jugendarbeit fertigt einmal im Jahr einen Jahresbericht mit der Umschreibung ihrer Arbeit an. Dieser Jahresbericht wird erst dem Vorstand des sozialwerk.LGBT+ zur Bewertung vorgelegt. Berich-te können von den Mitglieder*innen und anderen Fachstellen unter Begleitung der Jugendarbeit des sozialwerk.LGBT+ eingesehen werden. Leistungsauftraggeber*innen und Finanzierungsstellen wer-den je nach Vereinbarung ebenfalls in die Gestaltung der Evaluation mit einbezogen. Gemeinsam mit diesen legt der Vorstand des sozialwerk.LGBT+ jedes Jahr einen Evaluationsschwerpunkt fest und vereinbart Kennzahlen. Externe Evaluation ist möglich.

[1] Grundlagenpapier zur Offene Kinder- und Jugendarbeit, für Entscheidungsträger*innen und Fachpersonen des Dachverband der offenen Kinder und Jugendarbeit Schweiz (DOJ), https://doj.ch/wp-content/uploads/Grundlagenbrosch.DOJ_2018_web.pdf, Stand 2018 [2] Der Bundesrat, Das Portal der Schweizer Regierung https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983207/index.html (22.11.2020) [3] IPPF, Sexuelle Rechte: Eine IPPF-Erklärung: https://www.ippf.org/sites/default/files/ippf_sexual_rights_declaration_german.pdf(6.5.2021) [4] WHO Regionalbüro für Europa, Definition: Sexuelle und reproduktive Gesundheit: https://www.euro.who.int/de/health-topics/Life-stages/sexual-and-reproductive-health/news/news/2011/06/sexual-health-throughout-life/definition (6.5.2021) [5] DOJ Leitfaden: Digitale Medien in der OKJA https://wiki.doj.ch/wiki/Digitale_Medien_in_der_OKJA, 2018 [6] Die Niederschwelligkeit wird in diesem Setting wichtiger/höher bewertet als der Datenschutz.

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